Neues aus Kenia

27. Juli 2021

Unsere Sozialarbeiterin Evelyne aus Kenia berichtet über Corona in der Massaigesellschaft:
„Die Pandemie hat das Leben sehr vieler Familien in den Bezirken Narok und Kajjado, wo unsere Patenmädchen leben, beeinflusst. Das größte Problem ist, dass so viele ihr Einkommen verloren haben. Sehr viele Mütter unserer Patenmädchen arbeiten als Tagelöhnerinnen, z. B. als Waschfrau, Putzfrau in den kleinen Ladenzeilen oder als Köchin bei Feiern aller Art. Andere verkaufen die Milch ihrer Kühe, Feuerholz oder Holzkohle und/oder arbeiten gegen Bezahlung auf den Feldern von Farmern. Dieser Verdienst dient dazu, ihre Kinder zu versorgen.

Während des Lockdowns müssen die Menschen nun zu Hause bleiben. Auch die Geschäfte, Hotels und Restaurants haben geschlossen, so dass auch keine eigenen Produkte, wie Milch, verkauft werden können. Besonders die alten Menschen und die Kleinkinder leiden unter dieser Situation, weil sie nicht verstehen, was passiert ist und warum jetzt alles so anders ist und sie so wenig zu essen haben.

Ich habe die Massaifrauen gefragt, wie es um ihr Wissen über Corona steht: bei meinen Gesprächen in Kajjado und Narok war meine erste Frage immer: “Habt ihr von der Corona-Pandemie gehört?“ Jede Frau gab an, davon gehört zu haben – durch das Radio, aus Berichten der Nachbarn, von Clanchefs und den Lehrern ihrer Kinder.
Meine nächste Frage lautete: “Wisst ihr, wie ihr euch und eure Familie gegen Corona schützen könnt?“ Darauf erhielt ich verschiedene Antworten: 50% der Frauen sagten, dass sie gehört hätten, man solle bei der Begrüßung nicht mehr die Hände schütteln, sondern Händewaschen, Abstand halten und zu Hause bleiben. 20% der Frauen hatten zwar von Corona gehört, wußten aber nicht, wie sie sich schützen können. 15 % sagten, sie hätten zwar von Corona gehört, aber sie würden ganz auf Gott und seinen Schutz vertrauen. Sie sehen in der Krankheit eine Strafe Gottes. Viele von ihnen verstehen die Maßnahmen auch nicht.

Die traditionellen Begrüßungsrituale der Massai begünstigen die Ausbreitung der Infektion: Das Händeschütteln bei Erwachsenen und das Auflegen der Hand auf den Kopf bei Frauen und Kindern – gehört zu traditionellen Begrüßung dazu. Besonders für die Kinder war es sehr ungewohnt, Erwachsene nur noch mündlich zu begrüßen und nicht mehr den Kopf für das Handauflegen zu beugen. Mittlerweile ist das nur-mündlich-Grüßen schon normaler geworden.

Es ist auch schwierig immer Masken zu tragen, denn zum einen ist es sehr heiß, zum anderen verschmutzen die Masken durch den umherfliegenden Staub oder den Rauch der Holzfeuer im Hausinneren ziemlich schnell. Oftmals können die Masken nicht täglich gewaschen werden, weil es am nötigen (sauberen) Wasser mangelt.
In der Massai-Gesellschaft ist es auch allgemein üblich, sich Sachen zu borgen, wie Salz, Zucker, Maismehl, Geschirr – all diese Dinge wandern von Haus zu Haus durch das ganze Dorf. Dazu kommen noch viele Fliegen, die besonders gern auf den Augen der Kinder herumkrabbeln, was auch ohne Corona eine Gesundheitsgefahr ist.

Viele Massaifrauen wünschten sich eine große, ernsthaft betriebene Aufklärungskampagne, um über die Pandemie und die Gefahren des Virus aufgeklärt zu werden und gefährliches Verhalten zu stoppen.

Ich möchte mich für alle Hilfe bedanken, die ich bereits an die Frauen unserer Patenmädchen weitergeben konnte, aber es gibt noch viel zu tun. Gott segne und behüte Sie und uns alle. Viele Grüße, Ihre Evelyne“

In jedem Jahr zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel führt das MFB die Aktion „Brot statt Böller“ durch

 

Die Idee, die dahinter steht: Statt in Knaller und Feuerwerk zu investieren, wird mit dem eingesparten Geld ehemaligen Straßenkindern in Uganda geholfen.